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Bestes Leder

Aus Liebe zum Leder

Sie führen ein Leben aus dem Koffer, sind meist im Ausland unterwegs, verbringen selten mehrere Nächte hintereinander an einem Ort – und befassen sich von morgens bis abends mit dem wichtigsten Material für Schuhe: Die Lederübernehmer von Gabor. Gerhard Olsacher ist einer von ihnen. Warum er diesen Beruf nach 26 Jahren trotz der vielen Anstrengungen immer noch liebt? Seine Antwort lässt keine Zweifel: "Leder ist meine Leidenschaft."

Verantwortung für höchste Qualität

Vor Ort in den Gerbereien prüft Gerhard Olsacher jedes einzelne Fell, bevor es an Gabor versandt wird. Nur wenn die Qualität stimmt, zwickt der Lederübernehmer das Fell mit einer speziellen Zange ab. "Wenn es abgezwickt wurde, kann es zum Versand an Gabor kommen", erklärt er. Leder auf dem Weltmarkt ist teuer. Olsacher entscheidet über Millionenwerte. Ob er seine Arbeit gut macht? Das weiß der erfahrene Lederübernehmer, wenn keine Kritik aus dem Wareneingangslager oder der Produktion kommt. Dort werden nur die besten Qualitäten akzeptiert und verarbeitet. An die optischen, technischen und mechanischen Eigenschaften des Leders werden höchste Anforderungen gestellt – schließlich erwarten die Kunden von Gabor hochwertige Schuhe. 65 verschiedene Ledersorten kauft Gabor derzeit ein – und da eine Ledersorte in mehreren Farben verarbeitet wird, unterscheidet Gabor insgesamt etwa 300 "Lederartikel". Gerhard Olsacher kennt sie alle.

Gespür für die Mode

Abzwicken oder nicht? Dem Lederübernehmer hilft bei der Entscheidung eine strenge Gabor-Checkliste. Sie umfasst unter anderem die Kriterien Stärke, Fellgröße, Farbe, Optik, Weichheit und Griff sowie verschiedene technische Werte. Gabor fordert bei allen Ledern einen hohen Grad an Gleichheit und Uniformität. Doch momentan werden zu etwa 70 Prozent modische Leder – wie etwa die Stile Used (engl. gebraucht) oder Schrumpfoptik – verarbeitet. Also sehr individuelle Leder, die per se nicht einheitlich sind.

Olsacher muss entscheiden, ob die modischen Leder noch der strengen Gabor-Norm entsprechen und ob sie zur Kollektion passen. Von ihm wird deswegen ein sehr gutes Gespür für die Mode verlangt. Er muss den Schuh hinter dem Leder sehen. So kann ein Leder, das für den einen Schuh ungeeignet ist, für einen anderen das richtige sein. In der Gerberei ist Gerhard Olsacher der Mann vor Ort, der allein entscheidet. Dafür benötigt er im wahrsten Sinne des Wortes viel Fingerspitzengefühl. "Das Leder muss diesen typischen Ledergriff haben. Ich muss reinfassen und verliebt sein", erklärt Olsacher.

Im Zweitberuf Diplomat

Ein Lederübernehmer hätte einen einfachen Job, wenn er nur "Ja" oder "Nein" sagen müsste. Doch Gabor ist darauf angewiesen, Leder nicht nur in der gewünschten Qualität und Uniformität, sondern auch in der benötigten Menge zu bekommen. Die Gerber können aber nicht immer die gewünschte Qualität liefern. Ihr Argument: "Leder ist ein Naturprodukt." Hinzu kommt, dass die italienischen Schuhhersteller – das meiste Leder kauft Gabor derzeit in den italienischen Gerberzentren um Verona, Pisa/Florenz und Neapel/Salofra ein – offener sind für Abweichungen als Gabor. Sie sehen gerade den Unikatcharakter als modisch an. Olsacher erläutert die Position von Gabor und berät die Gerber. Er ist auch Diplomat und Berater. "Die italienischen Gerber haben ihren Stolz", weiß er aus Erfahrung. Olsacher muss seine Kritik an den Ledern daher mit sehr viel Feingefühl vortragen.

Gemeinsam mit den Gerbern überlegt er, ob und wie die Ware noch zu verwerten ist und was künftig besser gemacht werden kann. "Ich mache einen Vorschlag", erklärt Olsacher. Denn die Verantwortung liegt beim Gerber. Wenn Olsacher jedoch Erfolg hat mit einem Korrekturvorschlag, ist das Eis gebrochen und zusätzliches Vertrauen aufgebaut. Der "Worst-case", eine Neuproduktion, würde drei Wochen Verzögerung mit sich bringen. Denn die Gerber produzieren nicht auf Vorrat. Von der Bestellung bis zur Lieferung vergeht normalerweise ein Monat. "Drei Wochen sind das absolute Minimum", so Olsacher.

Immer vor Ort

Mindestens einmal pro Woche besucht der Lederübernehmer seine italienischen Gerber. Regelmäßiger Kontakt ist Voraussetzung für eine effektive Zusammenarbeit. In der Musterphase ist die Abstimmung mit dem zentralen Ledereinkauf besonders eng. Meist wird vorab eine kleine Menge unter Serienbedingungen produziert. Dazu gibt der Lederübernehmer ein detailliertes Feedback – sagt im besten Fall: "Perfekt!"

Der Weg zum Lederübernehmer

Sein Fachwissen erwarb Olsacher an der renommierten Gerberschule Reutlingen und in der betrieblichen Ausbildung bei Gabor im Wareneingang, in der Ledersortierung, im Zuschnitt und in der Produktion. Auf den Umgang mit den verschiedenen Menschen und Kulturen etwa hat ihn seine Ausbildung nur bedingt vorbereiten können. "Damals war ich froh, einen erfahrenen Kollegen an der Seite zu haben." Erst nach mehreren Jahren Berufserfahrung gilt ein Lederübernehmer als richtig gut. Heute nimmt Gerhard Olsacher selbst einen jungen Kollegen ein wenig an die Hand. "Seine Erfahrung und sein Ledergefühl sind Gold wert", bekräftigt Einkaufsleiter Andreas Bobbert.

Fürs Reisen geboren

"Man muss fürs Reisen sein", nennt Gerhard Olsacher, der englisch und italienisch spricht, eine weitere Voraussetzung für seinen Beruf – am liebsten übernachtet Olsacher in vertrauten Stammhotels. Für einen verheirateten Familienvater ist es nicht immer einfach, ständig auf Achse zu sein. Meist ist er in Italien unterwegs. Die Italiener haben bei den derzeit geforderten Lederqualitäten die Nase vorn.